Anlässlich der jährlich im Palacio de Bolsa von Oporto stattfindenden Weinmesse Essência do Vinho werden immer zahlreiche Rahmenveranstaltungen und geführte Verkostungen angeboten.

Mein Highlight bei den diesjährigen Proben lief unter dem fast unscheinbaren Titel „Portuguese Rare Wines Tasting“. Die Verkostung fand passender weise im wunderschönen Gerichtssaal des Palacio de Bolsa statt. Das Platzangebot ist dort zwar nicht allzu groß, aber das historische Umfeld war wie geschaffen für die Weine, die kommen sollten.

Der portugiesische Weinjournalist Rui Falcão begleitete uns mit sehr hilfreichen Informationen durch die Probe von Raritäten aus Setúbal, Porto und Madeira.

Zum Einstieg gab es einen 1983 Moscatel de Setúbal Superior 20 Anos von Bacalhôa Vinhos. Die Aromatik wurde geprägt von Dörrobst und gebrannten Nüssen. Durch eine feine Säure erschien die Süße sehr ausgewogen. Das „20 Anos“ auf dem Etikett bezieht sich auf die Fasslagerzeit von 20 Jahren.

Als zweiter Wein kam der 1960 Setúbal Moscatel Roxo Superior von José Maria da Fonseca in die Gläser. Orangeat, karamelisierte Nüsse, leicht rauchige Noten, Zedernholz und Tabak waren aromatisch fein miteinander verwoben. Auch hier war das Spiel von Süße und Säure wieder sehr austariert.

Mit dem Trilogia von José Maria da Fonseca kam die erste größere Überraschung. Der Wein ist eine Cuvée der Jahrgänge 1965 (70%), 1934 und 1900 (jeweils 15%) und präsentierte sich enorm vielschichtig, aromatisch sehr komplex und doch elegant.

Nach dem Einstieg mit den Moscateis der Península de Setúbal, wurde die Probe mit zwei Ports fortgesetzt. Der 1924 Vintage Port von Ramos Pinto war vorab dekantiert worden um ihn vom Depot zu trennen und zeigte sich mit ziegelroter Farbe. Auch wenn ich schon das eine oder andere mal reife Vintage-Ports probieren durfte, so überrascht mich die Lebendigkeit und Aromenfülle doch immer wieder aufs neue.

Der 1900 Colheita Port von Burmester wurde 1977 abgefüllt und zeigte mir einmal wieder, dass Colheitas absolut unterschätzt werden. Leider stehen sie im Schatten der gehypten Vintage-Ports, wobei ich sie persönlich oftmals als noch ausdrucksvoller empfinde. Die komplex-vielschichtige Aromatik in Worte zu fassen fällt mir dabei jedoch zugegebenermaßen schwer. Nur dies sei gesagt: von Altersschwäche keine Spur!

Der Reigen an Raritäten ging weiter mit einem 1900 Reserva Moscatel Madeira von Pereira d’Oliveira, einem Familienunternehmen welches über einen enormen Schatz an Jahrgangsweinen verfügt. Vintage-Madeiras, auch „Frasqueira“ genannt, gelten als die edelsten Weine der Insel und müssen mindestens 20 Jahre im Fass gelagert worden sein, wobei sie oftmals deutlich länger gereift werden. Der Moscatel aus unserer Probe wurde in den 1980er Jahren abgefüllt und hatte somit über 80 Jahre zeit im Holzfass zu reifen. Herausgekommen dabei ist ein Facettenreichtum der schier unbeschreiblich ist.

Zum Abschluss wurde ein 1908 Bual Madeira von Cossart Gordon gehören gereicht. Cossart Gordon gilt als der älteste Madeieraproduzent, 1745 gegründet und gehört zur Madeira Wine Company. Auch hier wieder eine spannungsgeladene Aromenvielfalt, bei der neben den typischen Aromen von Trockenfrüchten, Orangeat und Dörrobst auch Noten von Limette anzutreffen waren.

Insgesamt wahrlich eine Probe der Extraklasse! Beeindruckend, wie gut die Weine sich in dem beachtlichen Alter präsentieren. Ich gebe ehrlich zu, dass ich bei dieser Verkostung den Restweinbehälter nicht verwendet habe …

Publiziert am von Peer F. Holm

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