Ende Juli ging es kurz durch die (Wein-)Presse: Im Rheingau wurden 130.000 Liter Wein beschlagnahmt, die unter hygienisch unhaltbaren Zuständen gelagert wurden. 90.000 l noch in Fässern, 40.000 l bereits abgefüllt und zum Teil auch etikettiert.
Seitdem ist Funkstille eingetreten.
Weder der Name des beschuldigten Weingutes/Winzers, noch andere Details wurden bislang in der nationalen Weinpresse benannt. Geraten dadurch nicht alle anderen Rheingauer Winzer unter Generalverdacht? Ist dies dem Ruf des Rheingaus nicht abträglicher, als das Aufgreifen des Themas und die Benennung von Ross und Reiter?

David Furer, ein mit mir befreundeter Weinjournalist aus England, fragte mich diese Tage, wie es mit dem Skandal weiter gegangen sei und war sichtlich bestürzt zu erfahren, dass es keine weiteren Meldungen gab. Ein weiterer kurzer Blick in die einschlägigen Weinmedien brachte nichts Erhellendes. Erst ein paar Telefonate und ein dann gezielteres googeln führte zu mehr Erkenntnissen.

Der Wiesbadener Kurier berichtete am 30.07.2009 im Regionalteil Rheingau unter dem Titel „Dreck und tote Fliegen am Weinfass: Rheingauer Winzer gestoppt“ über den Fall.
Die marktschreierische Überschrift – die zunächst einmal die gesamte Rheingauer Winzerzunft verunglimpft – verzeihe ich dem Autor, da er zumindest ansatzweise Ross und Reiter beim Namen nennt:

Als “Ekel erregend“ beschreibt das Regierungspräsidium die Zustände, unter denen der Kiedricher Winzer Rudolf S. im Eberbacher Hof Wein erzeugt und gelagert hat.

So wird der Kreis der Verdächtigen deutlich eingeschränkt und wer des googelns mächtig ist, findet auch recht schnell den kompletten Namen sowie die Anschrift des Weingutes.

Gefährlich wird es jedoch, wenn nur Halbwahrheiten und Fragmente der Meldung kursieren. Winzer mit Gutsausschank gibt es im Rheingau viele. Ein „Weingut Eberbacher Hof“ gibt es auch in Hallgarten – wiederum mit Gutsausschank. In Kiedrich gibt es gar einen weiteren Winzer (mit Gutsausschank), der zumindest den gleichen Nachnamen wie der Beschuldigte trägt. Der Ruf dieser Winzerfamilie scheint jedoch tadellos zu sein.

Ist es da nicht im Sinne aller unschuldig Beteiligten sinnvoller, den Übeltäter klar zu benennen. „Name and shame is what works.“ sagt David Furer dazu und hat meines Erachtens damit nicht unrecht. Nur die rechtliche Problematik der Namensnennung eines Beschuldigten an sich könnte als Grund für die Zurückhaltung herangezogen werden. Die Benennung des Betriebes und Ortes zusammen mit dem abgekürzten Familiennamen wie es Christoph Cuntz vom Wiesbadener Kurier gemacht hat, ist hier sicherlich ein gangbarer Weg.

Trotz allem verstehe ich nicht, dass der Fall bisher nicht weiter in der Weinpresse aufgegriffen wurde. Mit Sicherheit haben viele exportierende Rheingauer Winzer besorgte Anrufe ihrer Kunden bekommen, mussten sich rechtfertigen und versuchen Unschuldsbeweise vorzulegen. Ein klarer Artikel in der Fachpresse, könnte diesen Winzern viel ersparen. Wer muss besser geschützt werden, der (mutmaßliche) Täter oder die vielen unschuldig betroffenen Winzer?

#edit 19.09.2009, 16:30 Uhr
Blogger-Kollege Thomas Günther (weinverkostungen.de) wies mich zurecht darauf hin, dass der Weinwirtschaft Newsletter vom 06.08.2009 (und somit auch online für Abonnenten) das Thema aufgegriffen hatte. Jörg Sievers schreibt dabei:

Weinkontrolleure haben dem Weingut Rudolf Steinmacher, Kiedrich, die Betriebserlaubnis entzogen und 130.000 Liter Wein aus dem Verkehr genommen.

(Zitat Weinwirtschaft Meldungen online)

… und nennt somit auch Namen.
In der aktuellen Printausgabe der Weinwirtschaft ist der Text aus dem Newsletter im „Branchenticker“ nochmals abgedruckt.

Unverständnis herrscht bei mir weiterhin darüber, weshalb es drei Jahre gedauert hat, bevor die Weinkontrolle mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss einen verdächtigen Betrieb unter die Lupe nehmen konnte.

Den ganzen oben genannten Artikel aus dem Wiesbadener Kurier kann man hier finden.

Publiziert am von Peer F. Holm

Eine Antwort auf Funkstille im Rheingauer Weinskandal?

  1. Pingback: Trau, schau, wem? – Ein Rückblick « Flaschentester

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.