Mit einer kleinen Überraschung für mich ging es heute Morgen im Saalbau zu Neustadt los. Ich wurde als Vorsitzender meines Tisches eingeteilt, was natürlich eine Ehre, aber zugleich auch eine zusätzliche Anspannung darstellt. Aber eins nach dem anderen …

Angereist ist eine internationale Schar an Verkostern. Weinmacher, Importeure, Journalisten, Sommeliers. Bei mir am Tisch sind wir zu dritt aus Deutschland. Die anderen Verkoster am Tisch kommen aus Australien, Griechenland und Mexiko.

Die Verkostung findet in Gruppen von 6-7 Juroren statt. Jede Jury hat einen in Hufeisenform gestellten Tisch und reichlich Platz für den einzelnen Verkoster. Über den Saal verteilt sind 24 Jurys tätig. Jeder Jury ist eine Servicekraft zugeteilt, welche die Weine bringt – natürlich komplett verdeckt – und ggf. für Nachschub an Wasser sorgt. Wenn ein Wein fehlerhaft ist, wird umgehend eine Konterflasche gebracht.

Jeder Juror muss zu jedem einzelnen Wein ein Din A4 Blatt mit der Bewertung ausfüllen. Zum einen wird die Bewertung im 100-Punkte-System, aufgegliedert in Aussehen, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck, abgegeben und zum anderen findet eine sensorische Beschreibung des Weines statt. Beide Bewertungen finden ausschließlich über ankreuzen statt, da die Bewertungsbögen anschließend eingescannt und automatisch ausgewertet werden. Für weitere Kommentare ist noch ein kleiner Bereich des Blattes reserviert. Des Weiteren urteilt man darüber, ob der Wein eine Medaille erhalten soll. Silber gibt es in der Regel ab 85 Punkten, Gold ab 90 und Großes Gold ab 95 Punkten. Man kann jedoch einem Wein auch trotz abweichender Punktzahl für eine Medaille vorschlagen.

Der Verkoster erfährt vom Wein nur die Kategorie (z.B. Weißwein aus nicht aromatischen Rebsorten mit 4-12 g Restzucker) und den Jahrgang. Weitere Informationen zu den verkosteten Weinen erfährt man erst am Ende des Verkostungstages. Jedoch beschränken sich diese Informationen auf das Land, die Region und die Rebsorten. Welche Weine man genau verkostet und bewertet hat, erfährt man nicht.

Der Tischvorsitzende sammelt die Bögen nach jedem Wein ein und gibt eine kurze Zusammenfassung. Bevor der Wein ausgeschenkt wird, ist er dafür verantwortlich anhand der Probennummer nochmals zu kontrollieren, dass wirklich der richtige Wein ausgeschenkt wird und den Wein vorzukosten. Gleichzeitig ist er der erste Ansprechpartner für aufkommende Fragen.

Jeden Vormittag werden drei Flights verkostet mit jeweils 15-18 Weinen. So kommt man auf rund 50 Weine die man bewerten muss. Meines Erachtens eine Anzahl, die man als trainierter Verkoster gut bewältigen kann. Zugegebenerweise ist man anschließend aber auch geschafft.

Heute Morgen hatte ich zunächst einen Flight mit Weißweinen (aus Portugal, wie ich später erfahren habe). Es folgten zwei Flights mit Schaumwein (aus Spanien). Das ist hart. Die Zähne haben nach der ganzen Säure rebelliert.
Das Bier als Aperitif vor dem Mittagessen, war eine durchaus willkommene Abwechslung.

Alles in allem kann ich wieder nur feststellen, dass die Organisation der Probe hervorragend ist. Man kann in Ruhe, mit ausreichend Licht und Luft die Weine – alle natürlich perfekt temperiert – verkosten und seine Notizen machen. Wenn man bedenkt, dass weit über 5.000 Weine angestellt werden, kann man sich vielleicht vorstellen, welcher logistische und organisatorische Aufwand dahinter steckt.

Das Rahmenprogramm am Nachmittag startete mit einer kurzen Wanderung auf den Trifels. Nach dem Abstieg wurden wir von einigen VDP-Spitzentalenten erwartet, die uns Ihre Weine präentiert haben. Zum Anschluss geht es gleich in die Meininger-Vinicombe, wo es weitere Weine aus den Reihen des VDP zu verkosten gibt, und natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt wird. Hier hat man dann auch genügend Zeit, sich mit Kollegen und bekannten aus der Szene auszutauschen, bzw. auch neue Bekanntschaften zu schließen.

Publiziert am von Peer F. Holm

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